Ein Haus, das Geschichten erzählt
Das hochaufragende Wohn- und Gewerbehaus liegt an einer prominenten Adresse mitten in der Zürcher Altstadt. 1905 erwarb die Familie Honold nicht nur die darin angesiedelte Konditorei, sondern die gesamte Liegenschaft. Noch weiter als die Geschichte der traditionsreichen Confiserie reicht diejenige des Gebäudes zurück, dessen Wurzeln im 14. Jahrhundert liegen dürften. Seine heutige Form gründet auf tiefgreifenden baulichen Massnahmen im Jahr 1876, wobei einzelne Bauteile noch vom Vorgängerbau stammen. Diese Zeitschichten wurden im Rahmen der aktuellen Gesamtsanierung offengelegt, untersucht und sorgfältig restauriert.
Die Bauarbeiten zur Erneuerung der Bodenplatte im Untergeschoss legten vier historische Mühlesteine frei. Sie wurden vermutlich 1616/18 vom Bauherrn Christoffel Werdmüller eingebaut, als er das Ursprungsgebäude vergrösserte. Drei der vier Mühlesteine dienen dem Haus bis heute als Fundament. Einer musste dem neu eingebauten Liftschacht weichen und ist nun in der Fundsammlung der Kantonsarchäologie aufgehoben. Der betonierte Liftschacht übernimmt eine wichtige Funktion bei der Erdbebenertüchtigung des Gebäudes und dient dessen hindernisfreier Erschliessung.
Eine weitere Überraschung bot sich im ersten Obergeschoss, wo eine über 150-jährige Stuckdecke zutage gefördert wurde. Die handschriftliche Notiz eines Handwerkers auf der Rückseite der nachträglich eingebauten Gipsdecke belegt, wann und durch wen diese erstellt wurde: «Coperto il 31 Maggio 1876 Motori Giovanni». Inzwischen wurde die Abdeckung rückgebaut und die darunter verborgene, schmuckvolle Stuckdecke freigelegt. Spezialist:innen restaurieren sie derzeit in enger Abstimmung mit der kommunalen Denkmalpflege.
Ebenfalls im Jahr 1876 erfolgte eine Aufstockung des Gebäudes, was an der veränderten Balkenstruktur der Geschossdecken über dem vierten Obergeschoss sowie an der unterschiedlichen Form der Ziegelsteine in den seitlichen Brandmauern ablesbar ist.
Zu den ältesten vorgefundenen Bauteilen zählen die Holzbalkendecken der unteren Haushälfte. Dendrochronologische Untersuchungen datieren die Holzfällung auf das Jahr 1616. Zwischen die von Hand behauenen Balken wurden damals Holzbretter geschoben. Über den Schiebeböden findet sich nach dem Umbau ein kompakter neuer Bodenaufbau, der zur Erdbebensicherheit und zum Schallschutz beiträgt.
Auftragsart: Direktauftrag
Bauherrschaft: Private Eigentümerschaft, Confiserie Honold
Standort: Rennweg 53, 8001 Zürich
Geschossfläche: 1315m2
Raumprogramm: 7 Mietwohnungen, Ladenlokal und Café
Planung: Frühling 2017 - Herbst 2026
Realisierung: Sommer 2025 - Sommer 2027
Denkmalschutz: Kulturhistorisches Schutzobjekt von kommunaler Bedeutung
Architektur: Stücheli Architekten, Zürich
Baumanagement: Duboc + Friedrich, Zürich
Bauingenieure: Basler & Hofmann, Zürich
HLK-Planer: Klimawandler, Zürich
Elektroplaner: pbp engineering, Zürich
Sanitärplaner: IFG Ingenieure für Gebäudetechnik, Volketswil
Bauphysik: BAKUS Bauphysik & Akustik AG, Zürich
Brandschutzplaner: Brandschutzwerkstatt, Rorschach
Redaktion: Stücheli Architekten, Juli 2026
Konzept und Fotografie: Studio Willen
Text: Daniela Meyer
Gestaltung: Vieceli & Cremers
Stücheli Architekten
Binzstrasse 18, 8045 Zürich
www.stuecheli.ch